Als wir zusammen Christians Gespräche mit Frau Filz abhörten und begannen, die erste Folge zu bauen, sagte ich irgendwann: “Lass uns den Teil weglassen. Das überschattet alles. Als ob man zwangsläufig mit Leuten dieses Alters immer nur über dieses Thema reden müsste.” Mit “dieses Thema” meinte ich: die Nazi-Zeit.

Christian hat mit Frau Filz über diese Zeit gesprochen. Sie erzählte davon, wie die linientreue Hausbesitzerin den Vater dazu aufforderte, endlich eine NS-Fahne draußen aufzuhängen. Wie der Vater, der manchmal etwas leichtsinnig gewesen sein muss, stattdessen ein Plakat mit der Aufschrift „Wir wollen keinen Krieg“ ins Fenster hängte. Wie die Hausbesitzerin das dann rückgängig machte, damit es keinen Ärger gab. Frau Filz erzählte von einem jüdischen Zigarrengeschäft in der Nähe, bei dem in der Pogrom-Nacht die Scheiben eingeworfen wurden. Von den Judensternen, die Frau Filz als kleines Mädchen gesehen hat. Dass ihr die Leute deshalb leidtaten. „Obwohl ich noch nicht mal wusste, was das für ein Stern war.“

All das also ist – nicht zu hören. Und nun ist also doch passiert, was wir vermeiden wollten: für einige Leute überschattet diese Leerstelle den Podcast. Wieder was gelernt: Man kann dieses Thema nicht unterdrücken, die Reflexe stimmen, und das ist gut so.

Wir haben uns also entschieden, die Nazi-Zeit nicht aufkommen zu lassen in der ersten Folge unseres Podcasts. Das war ein Fehler. Und die genaueren Umstände, wie das Geschäft – gegründet 1937 – in den Besitz der Familie gelangte, was dieses Wissen dann mit uns macht und wie wir damit umgehen wollen – darüber werden wir in einer der nächsten Folgen sprechen.

Allerdings: auch wenn wir im Broterwerb Journalisten sind. Der Brinkmannpodcast ist ein privates Projekt, unbezahlt, total subjektiv. Fehler werden wir sicherlich auch in Zukunft machen. Wir werden aus ihnen lernen. Und weitermachen. Und uns darüber freuen, wenn ihr uns zuhört.